Wetter

  • 03.07.2010 (50km - 1300hm)
    Zeit Kalle: 4:44h
    herrjens Abbruch nach 38km

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bericht von herrjens:
Was für ein Rennen! Brütende Hitze schon bei der Anreise. Bis zu 37° imSchatten. Aber Schatten war da gar nicht so viel. Die Vorbereitung? Bei mir eher mau, bei Kalle sicherlich etwas besser. Aber ich fühle mich
gut, habe in den letzten Stunden regelmässig und viel getrunken und fühle mich als könnte ich Bäume ausreissen. Mein wichtigstes Werkzeug heute ist die Pulsuhr. Und meine Selbsthypnose "lass Dir Zeit, lass Dir Zeit, lass Dir Zeit". Direkt nach dem Start -das Rennen ist noch gar nicht freigegeben- merke ich aber schon wieder, dass mich der Ehrgeiz packt und ich mich weiter nach vorne durchwusel. Kurz nach Freigabe des Rennens der erste Berg, der bereits ein erstes Opfer fordert. Hochrote Birne und keuchend steht da ein Teilnehmer am Rand. Klares Zeichen für mich, dass ich selber Gas zurücknehmen muss. Das klappt von nun an auch sehr gut. Und immer wieder in kleinen Schlucken trinken. Es läuft nicht schnell aber rund. Zeit hier jetzt mal endlich ein paar Renneindrücke zu schildern. Wir sind ja nun schon einige Marathons gefahren aber der Ruhrbike Marathon ist aus meiner Sicht einer der härtesten. Las Rozas und Albstadt hatten zwar einiges mehr an Kilometern und an Höhenmetern, aber die Strecken waren nicht so brutal. Beim Ruhrbike gibt es kein verschnaufen, da die Strecke zum einen sehr eng ist (was einem leider oft den Rythmus anderer Fahrer aufzwingt) und bergab stellenweise sehr anspruchsvoll. Richtig doof sind die nervtötenden Nadelöhre. Da ist dann irgendwo weit vorne jemand, der Probleme am Berg hat und schon müssen 250 Radler ihr Rad schieben. Mein eindeutiger Eindruck: der Ruhrbike Marathon ist durchweg fahrbar. Nun gut, alle wollen Spass haben und einige haben ihr Rad eben nicht im Griff. Da wir Überholiker fernab jeder Siegertreppchenplätze fahren sind wir tolerant und nehmen es eben so hin. Aber es kostet Kraft, die am Ende vielleicht fehlt. Mein eigenes körperliches Empfinden ist bis weit nach der ersten Verpflegungsstation immer noch hervorragend. Kraft und Flüssigkeitszufuhr teile ich mir anscheinend richtig ein. Wann genau jetzt der Einbruch kommt, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen, denn ich halte ich an meine selbstauferlegten Regeln. Bewusst, dass ich nicht mehr ganz ok bin, wird es mir als ich auf Höhe der orthopädischen anstalten Volmarstein von einem Streckenposten gefragt werde, ob alles ok ist. Ich gebe nur ein "hmhm" zurück. Habe kein Lachen mehr für die tollen Zuschauer übrig und fange schon 3-4 Kilometer vor der gefürchteten Hegestrasse an leicht zu paniken. Erste Fahrfehler verunsichern mich ausserdem. Am zusätzlichen Getränkestand vor der Hegestrasse mache ich ca. 10 Minuten Pause, will eigentlich schon nicht mehr weiter. Nur der Gedanke, dass danach das schlimmste überstanden ist bringt mich wieder auf's Rad zurück. Tja, und dann schaffe ich die -schon verkürzte- Hegestrasse nicht an einem Stück und auch nicht komplett fahrend. Die Cheerleader registriere ich gar nicht und am Verpflegungsstand stelle ich das Bike zur Seite und esse und trinke und trinke und starre total leer vor mich hin. Ich registriere nur irgendwie, dass ich nicht mehr ganz klar bin. Nach ewigen Minuten des Zauderns (Teufel: nur noch 12 km, Engel: lasse es sein, Dir ist nicht gut; Teufel: Aufgegeben hast Du noch nie, Engel: hör auf Deinen Körper......) sage ich laut zu mir "NEIN, ENDE". Nach weiteren 2 Kilometer (bergab) ist der günstigste Ausstiegspunkt. Nach etwas über drei Stunden, 38 km und fast 1000 Höhenmetern ist das Rennen für mich zu Ende und ich rolle ganz gemütlich zum Harkortberg. Im Kopf nur noch gähnende Leere. Wie im Nebel trinke ich ein Bier und bin traurig, dass mir heute das tolle Gefühl der Zieldurchfahrt verwehrt bleibt. Und glücklich bei dieser höllischen Hitze die richtige Entscheidung gefällt zu haben. Ich warte nichtmal mehr auf Kalle, so leer bin ich. Kalle, sorry! Du bist heute der Überholiker-König und alle Überholiker gratulieren Dir! Ach ja, noch ein Wort zum Zielschluss um 14:30 Uhr. Das ist schlicht und einfach scheisse. Gerade die Fahrer, die sich hier länger als 4 Stunden quälen und die mit Recht stolz auf ihre Leistung sein können erhalten nicht den Applaus, den sie verdient haben. Das geht bei anderen Marathons anders. Da werden auch noch Fahrer, die nach 5 oder 5 1/2 Stunden ins Ziel schleichen beklatscht und bejubelt.

herrjens wertet dieses Rennen nicht.
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Bericht von Kalle:
Das Beste zuerst: Ich habe es geschafft. Die Zeit war zwar weniger berauschend, aber in Anbetracht der Strecke und der Temperaturen bin ich zufrieden.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei der Anmeldung das Ruhrbikefestival ganz klar unterschätzt habe. Wenn ich an Wetter denke, dann denke ich in erster Linie an den Ruhrtalradweg. Gut, ich kenne auch die Hegestraße, aber die bin ich schon mehrmals ohne Probleme hochgefahren und das hat ja auch beim Rennen wieder geklappt. Was mir im Vorfeld nicht so klar war, war die Tatsache, dass es sich beim Rennen in Wetter im Wesentlichen um einen einzigen Singletrail handelt. Und hier bin ich an meine körperlichen Grenzen gestoßen, wobei ich sagen muss, dass die extremen Temperaturen am Rennwochenende hierfür nicht ursächlich waren. Ein ganzes Rennen nur Singletrails mit diesen extremen und engen Steigungen, das ist für mich nichts mehr. Vielleicht bin ich hierfür auch einfach schon zu alt. Ich bevorzuge dann doch lieber die Wald- und Forstautobahnen wie bei den Rennen in Plettenberg oder Langenberg.

Jens und ich sind so ziemlich von ganz hinten gestartet, was auch daran lag, dass wir erst kurz vor dem Start auf dem Harkortberg ankamen. Ein einziger Shuttle-Bus vom Parkplatz Reme-Str zum Harkortberg war doch etwas knapp geplant. Aber zurück zum Rennen, schon die ersten Kilometer waren die Hölle, hohe Temperaturen und eine Strecke, die wirklich keine Zeit zur Entspannung ließ. Schon nach wenigen Kilometern fragte ich mich, warum machst du das überhaupt? Ist es nicht besser aufzugeben? Und wenn ich gewusst hätte, dass Jens dieses Rennen nicht zu Ende fährt, hätte ich mit Sicherheit ebenfalls aufgegeben. Aber so quälte ich mich Kilometer für Kilometer und Höhenmeter für Höhenmeter Richtung Ziel. Für mich steht auch heute schon fest, dass es einen weiteren Start beim Ruhrbikefestival nicht mehr geben wird. Nicht weil ich die Organisation als nicht ganz optimal empfunden habe, sondern einzig und allein wegen der hohen Anforderungen an die Strecke.

Ein klein wenig Kritik an die Veranstalter muss ich auch noch loswerden. Zum einen finde ich es, wie auch Jens schon zu recht anmerkte, nicht gelungen, den Zielschluss schon nach 4 ½ Stunden vorzunehmen. Ich selber war knapp unter 4 ½ Stunden im Ziel. Allerdings wurde schon 1 KM vor dem Ziel mitten im Wald die Zeit genommen. Ausgewiesen wurde das ganze dann mit 4 Stunden und 44 Minuten. Ich habe mal nachgefragt und bekam dann lapidar die Antwort, dass bei der Zeitmessung vor dem Ziel natürlich noch ein Aufschlag hinzu komme, da ja sonst die Starter benachteiligt sind, bei denen die Zeit erst im Ziel gemessen wird. Wie hoch dieser Zuschlag war, konnte man mir nicht sagen. Aber anhand der Differenz scheint man wohl mit rd. 20 Minuten für einen Kilometer kalkuliert zu haben. Das scheint schon sehr zur sicheren Seite gerechnet zu sein. Und dann ist es auch kein schönes Gefühl, im Ziel anzukommen und dort wird quasi schon alles abgebaut. Nun kann man zwar sagen, dass ich dann wohl zu langsam war, aber auch hinter mir mühten sich noch etliche Fahrer ins Ziel (ja ja, ich habe schon einige anderere überholt). Tja, wer einmal Plettenberg gefahren ist, der ist hier vielleicht ein wenig verwöhnt. Aber vielleicht wollten die Organisatoren ja auch nur rechtzeitig zu Beginn des WM-Viertelfinales alles abgebaut haben.

Auch die Anzahl der Verpflegungsstellen war meines Erachtens etwas knapp bemessen. In Anbetracht der heißen Temperaturen, wären ein oder zwei weitere Verpflegungsstellen nicht schlecht gewesen. Aber zum Glück gab es nette Anwohner mit Gartenschläuchen zum Abduschen und Flasche Auffüllen.

Mein Fazit:
Kein weiterer Start in Wetter, aber bereut habe ich diesen Start auch nicht. Man muss es zumindest einmal mitgemacht haben.

Meine Bewertung:
Technischer Anspruch: 5 Sterne
Kondition: 5 Sterne
Spaßfaktor: 3 Sterne (war zu heftig für mich)
Organisation: 2 Sterne (Maßstab ist für mich der P-Weg)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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