|
 |
Auf den Spuren der Römer oder Rüdis Radler Runde
Die diesjährige Radtour führte uns entlang der Via Romana zwischen Xanten und Nijmwegen. "Ist ja der Knaller" werden einige denken. Das sind ja hin und zurück gerade mal 140km. 140km an 5 Tagen im totalen Flachland sind natürlich eine echte Hausnummer. Seht Ihr, um mit der damit verbundenen Herabwürdigung der sportlichen Leistung aufzuräumen, muss einfach dieser kleine Bericht geschrieben werden.
Die Routenführung der Via Romana ist nicht ganz so geradlinig, wie wir das von früheren Radtouren kennen. Vielleicht hatten die Römer noch keinen Kompass oder tranken zuviel Wein? Die vernünftige Erklärung ist wohl eher, dass man auf direktem Wege viel zu häufig eine Menge verpasst. Und so summierte sich die Strecke auf über 270km, auf denen es eine Menge zu sehen gab. 1300 Höhenmeter sind nicht wirklich beeindruckend, für das Grenzland Deutschland/Holland aber sicher überraschend. So, genug der Vorrede, hier der Bericht.
1. Tag: Um 8:15 Uhr fahren wir mit dem Zug in Iserlohn los, um gegen kurz vor 11:00 in Xanten anzukommen. Wir, das sind dieses Jahr Heike, Stefan, Matthias, Rüdiger (alle DJK), Jens (auch DJK), Sven und Achim (Überholiker). Wenn wir Fans hätten, könnte man mal schöne Fantreffen organisieren. Wo war ich? Ach ja: Xanten. Es ist noch früh am Tage und so furchtbar viele Kilometer zu unserem ersten Zielort sind es nicht. Also fahren wir zum einrollen gemächlich durch Xanten zum archäologischen Park. Ein Besuch dort soll sehr lohnend sein, wir verzichten trotzdem, da wir ja das ganze Gepäck auf den Rädern haben und eigentlich auch zum radeln da sind. Also suchen wir den Einstieg in die Via Romana und starten. Wir schaffen es dann auch einige Kilometer an der historischen Mühle und Stadttoren vorbei bis hin zu einer vorzüglichen Frittenranch. Im leichten Nieselregen sitzen wir unter dem grossen Sonnenschirm und hoffen, dass es sich nicht einregnet. Das tut es zum Glück nicht und bei -sagen wir mal befriedigendem Wetter- geht es weiter. Wir kommen durch Kalkar und an der Kalkarer Mühle vorbei. Mit 8 Stockwerken die höchste des Rheinlandes. Weiter geht's durch Kleve bis zur ersten Unterkunft, dem Schloss Gnadenthal. Gaststättenbetrieb gibt es nicht, aber wir können Pizza bestellen und bekommen ausreichend Getränke. Abends EM. Interessiert das hier? Ich denke nein, denn wir sind Handballer und Radler. Morgen ist das anders, denn da sind wir in erster Linie Deutsche in Holland. Das ist was ganz anderes.
2. Tag: Nach dem gemeinsamen Früstück geht es weiter. Wir fahren über die Grenze nach Holland Richtung Groesbeek. Hier wird so langsam deutlich, dass die Streckenführung anders ist als sonst. Und dass es Steigungen gibt in Holland. Das ist wirklich ungewohnt, da man nicht erkennen kann voran zu kommen, obwohl der Kilometerzähler was anderes sagt. Nach dem Motto "der Weg ist das Ziel" kann man sich aber daran gewöhnen einige Orte grosszügigst zu umfahren, sich bereits in Übersee wähnend dann plötzlich wieder vor dem gleichen Ortseingangsschild zu landen. Erschwert wird das psychologisch noch dadurch, dass es den ganzen Tag leicht regnet. Aus irgendeinem Grund sind wir trotzdem alle frohen Mutes und geniessen auch diesen Tag. Dann die erste und einzige Panne der Tour. Ein Platten an Matthias Hinterreifen. Das ist schnell erledigt. Der Regen wird kurz vor Ankunft in Malden leider stärker, so dass wir triefend an der heutigen Unterkunft ankommen. Auch diese ist ungewöhnlich. Wir wohnen in einem Privathaus, was an sich ja nicht schlimm ist. Doof ist nur, dass gleich das Deutschlandspiel anfängt und wir für 7 Leute nur eine Dusche haben und ausserdem der winzig kleine Fernseher nicht richtig funktoniert. Trotz intensiver Versuche passen wir nicht zu siebt unter die Dusche und entschliessen uns dazu nacheinander zu duschen. Dadurch schaffen wir es erst zur 2. Halbzeit in die Kneipe mit der Videoleinwand. Als wir dort ankommen, sitzen dort 2 holländische Gäste und starren in einen kleinen, tragbaren Fernseher. Toll! "Ist das Eure Leinwand" frage ich? Worauf beide sich (wirklich und ohne jede Ironie) an die Arbeit machen, die Leinwand ausrollen und den Beamer anmachen und uns begrüssen, als würden wir seit Jahren zum Fussball gucken vorbeikommen. Vielleicht sind sie auch so gut gelaunt, weil Deutschland hinten liegt. Egal, es wird auf jeden Fall trotz deutscher Niederlage ein feuchtfröhlicher Abend. Sagte man mir, da ich von Grolsch doch immer so furchtbar müde werde und daher geschlafen habe.
3. Tag: gutes Frühstück in der seltsamen Unterkunft. Der Regen ist weg. Ein guter Start! Hin und her und hoch und runter geht es durch die mal holländische, mal deutsche Landschaft. Durch die Mooker Heide zum Beispiel. Da uns die Streckenführung noch nicht wirr genug ist, fahren wir die ein oder andere Schleife doppelt. Macht aber nix, das Wetter ist soweit ok und wir habe ja alle Zeit der Welt. Die durchaus interessanten Museen lassen wir trotzdem rechts und links liegen. Das Pannekoekenhaus ist reizvoller. Mein Gott, sind diese Dinger mächtig. Und mächtig lecker. Da heute die kürzeste Etappe ist, sind wir schon sehr früh im Hotel. Die Zimmer sind noch nicht bereitet, also setzen wir uns gemütlich hin und trinken schonmal einen Schluck. Irgendwann packt Stefan Karten aus und wir spielen.... ich sage nur SKAT. Versteht man jetzt nur, wenn man dabei war. Musste aber trotzdem geschrieben werden. Es wird ein ziemlicher Gammelnachmittag. Abends finden wir dann eine nette Speisekneipe und Dirk und Sonja stossen dazu. Holland gewinnt 4:1 und wir sind in einer holländischen Kneipe. Alles klar?
4. Tag: So langsam heisst es den Rückweg anzutreten. Das aber erst nach dem auf dieser Tour besten Frühstück. Dirk ist als achter Radler dabei, Sonja hat Rücken und fährt mit dem Auto Richtung Heimat, um Abends wieder dazuzukommen. Das bedeutet Erleichterung für Achim, der die ganze Zeit mit Rucksack fahren muss. Dass an diese dusseligen MTBs aber auch keine Packtaschen passen:-) Höhepunkt des Tages (für alle Beteiligten, denke ich): nach tagelanger Suche finde ich einen Laden, der die ersehnte Lenkungsdämpferfeder im Angebot hat. Traumhaft! Ach ja: Nijmwegen ist auch durchaus als hübsch zu bezeichnen. Aber die Freude wird noch grösser in der Mittagspause. Da baue ich dann den Lenkungsdämpfer an mein Radel, habe aber das unbestimmte Gefühl, dass meine Begeisterung nicht richtig geteilt wird. Liegt bestimmt am Regen. Dabei unterstreicht dieser Regen unser Wetterglück dieser Tour. Es regnet nämlich exakt in der Mittagspause, nicht vorher, nicht hinterher. Abends sind wir dann wieder im Schloss Gnadenthal.
5. Tag: Es bleiben noch ca 56 km bis zum Bahnhof in Xanten. Also, wenn man der Römerroute folgt. Sonst wären es nur 27. Es lohnt sich aber wirklich, der Route zu folgen. Wirklich schöne Landschaft und gut zu fahren. Am schnellen Brüter hat man sich allerdings schnell sattgesehen. Insgesamt geht es so dahin und die meisten von uns sind in Gedanken mit sich selber und den Eindrücken der letzten Tage beschäftigt. Das ist ja das schöne am Radfahren, dass man auch in einer grösseren Gruppe herrlich für sich sein kann. Wenn man dann vom Deich auf den Rhein und die Schiffe schaut, möchte man gar nicht daran denken, dass es das schon wieder war. Um 13:30 sind wir am Bahnhof in Xanten und haben noch Zeit für einen Imbiss, bevor wir uns um 14:15 Uhr von Dirk und Sonja verabschieden und die Heimreise antreten. Wieder klappt alles reibungslos. Doofe Tour irgendwie. Glücklicherweise ist der Zwischenstopp in Dortmund so irrsinnig lang, dass Achim und ich doch noch eine blöde Idee haben: wir wollen mit dem Rad vor den anderen, die den Zug nehmen, in Iserlohn HBF sein. Klappt nicht ganz, aber in Hennen sind wir immerhin 10 Minuten vor dem Zug. Da es nun anfängt zu regnen, steigen wir dazu und können uns so zum zweiten Mal von Heike und Stefan verabschieden. Gegen 18:00 Uhr sind wir wieder zu Hause und die Tour ist endgültig vorbei.

Mal schauen, was Rüdiger nächstes Jahr rauskramt. Für dieses Jahr auf jeden Fall ein herzliches Danke für die wieder mal gelungene Organisation.
|